letzte Änderung
23 Mai, 2011

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Tierheimhund

Tierheimhund Sando

 

Nachdem Imo schon drei Wochen im Regenbogenland war, hielt ich es ohne Hund nicht mehr aus. Es fehlte einfach was, obwohl mich Imo schon lange nicht mehr begleiten konnte.

Da ich dieses Mal einem Hund aus dem Tierheim ein neues Zuhause bieten wollte, schaute ich mich im Internet um. Im Tierheim Mainz wurde ich fündig. Ein Langhaarschäferhund, 1 Jahr alt, genau das, was ich suchte. Ich schrieb zunächst eine lange, ausführliche Mail, in der ich von meinen Hunden erzählte und was ich alles mit ihnen gemacht hatte. Außerdem, dass ich mich für Sando interessiere und ob ich außerhalb der Öffnungszeiten vorbeikommen könne, da ich es nicht abwarten konnte, Sando kennen zu lernen. Ok, das wurde ablehnt, was ich auch nachvollziehen konnte. Der nächste Besuchstag war Samstag und ich war mit meiner Mutter auch frühzeitig da, obwohl ich lange suchen musste, bis ich das TH gefunden hatte. Wir liefen durch die Anlage, konnten Sando aber nirgends finden. Irgendwie hätte ich ja alle Hunde gern mitgenommen, aber das ist unmöglich. Dann sprach ich jemand vom TH an und wies darauf hin, dass ich schon eine Mail geschrieben hatte, was dieser Frau auch bekannt war. Sie stellte sich als Vermittlerin vor und erklärte sich auch gleich bereit, Sando zu holen. Ich habe ihn gesehen und sofort mein Herz an ihn verloren. Eine Ohrspitze war abgebissen und als ihn streichelte, fühlte ich nur Haut und Knochen – er war total abgemagert. War er krank oder bekam er im Rudel nur nicht genügend Futter ab?

Dann kam die Frage nach meiner Berufstätigkeit und da hatte ich das Gefühl, dass eine Klappe zuging. Dass meine Mutter den ganzen Tag zuhause ist und der Hund dadurch nie allein, interessierte offensichtlich keinen. Trotzdem durften wir mit Sando zum eingezäunten Kennenlernplatz. Auf dem Weg fiel mir auf, dass er an der einen Seite ganz dick war. Ich wies die Vermittlerin darauf hin und sie meinte, dass sich das die Tierärztin ansehen müsste, vorher könne sie den Hund nicht abgeben. Hm, hatte ich doch noch eine Chance?

Auf dem Platz musste ich mit Erschrecken feststellen, dass der Hund nicht einmal seinen Namen kannte, obwohl er schon seit 4 Monaten im TH war. Schon klar, dass sie nicht soviel Zeit für die Hunde haben, aber seinen Namen sollte er in dieser Zeit doch kennen. Naja, nicht so schlimm, er würde ihn bei mir schon sehr schnell lernen.

Dann kam die Tierärztin und meinte, dass der Hund erst genauer untersucht werden müsse, er könne heute auf keinen Fall abgegeben werden. Wir durften noch mit ihm spazieren gehen und dann brachte ich ihn schweren Herzens wieder ins TH zurück.

Dienstag fragte ich per Mail, wie es Sando geht, was die Untersuchung ergeben hat. Offensichtlich war es nur eine Prellung, die er sich im Streit mit einem anderen Hund zugezogen hatte. Aufatmen, es war nichts Schlimmes.

Dann kam der Mittwoch, der nächste Besuchstag. Wir fuhren wieder nach Mainz, in der Hoffnung, den Hund mitnehmen zu können. Genauso meldete ich mich auch am Empfang. Die Dame dort sah in die Unterlagen und meinte, ich sei überhaupt nicht als Interessent für den Hund eingetragen, außerdem sei heute kein Vermittler im Haus und sie sei nur die Tierärztin. Hallo? Ich bin nicht interessiert? Deshalb habe ich ja nach ihm gefragt, wie es ihm geht. Aber dann kam die härteste Aussage: Sando sei ein sehr schwieriger, nicht ganz ungefährlicher Hund, was man ja an der abgebissenen Ohrspitze sehen könnte und wir sollten uns die Sache doch noch mal gut überlegen. Sie versuchte alles, um uns den Hund madig zu machen. Allerdings hatte ich mir schon mein eigenes Bild von ihm gemacht und da war er absolut nicht schwierig. Aber wir könnten gerne noch mal mit ihm spazieren gehen. Wieso dürfen wir allein mit einem so gefährlichen Hund spazieren gehen – wie kann man so verantwortungslos sein?

Unterwegs hatten wir ein Erlebnis, das mir zeigte, wie gefährlich der Hund ist. Er fand am Wegesrand ein Brötchen, das er fressen wollte. Ich, nicht lange nachgedacht, griff in seine Schnauze und holte das Brötchen zwischen seinen Zähnen raus. Von ihm kam keinerlei Gegenwehr – ja, das ist ein furchtbar gefährlicher Hund!

Als wir zurückkamen, kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die meinte, es sei ein Vermittler da, sie habe einen gesehen. Beim Empfang wurde dies weiterhin abgestritten, Ich bestand dann allerdings darauf, als Interessent eingetragen zu werden – dieser Forderung musste ich ziemlich Nachdruck verleihen. Ich sagte auch, dass ich am Samstag wieder käme und Sando dann mitnehmen möchte. Übrigens stellte ich später fest, dass diese Tierärztin auch die Vorsitzende des TH war.

Der Hammer kam dann Freitagabend. Wir wollten gerade fortgehen, als das Telefon klingelte. Ich hatte mir erst überlegt, ob ich noch drangehen soll – vielleicht hätte ich es besser gelassen. Die Vermittlerin des TH war dran und meinte, ich bräuchte morgen nicht mehr zu kommen, es hätte sich ein Interessent gemeldet, der Sando bessere Bedingungen bieten könne als ich. Ich war wie vor den Kopf geschlagen und konnte überhaupt nicht darauf antworten.

Und damit war das Thema Tierheimhund für mich erledigt. Das Schlimme dabei war der Umstand, dass Sando ein halbes Jahr später immer noch im TH saß. Also hatten sie mich belogen, um mich loszuwerden, nachdem das Schlechtmachen des Hundes nicht funktioniert hat. Ich muss auch gestehen, dass ich meinem Frust per Mail Luft gemacht habe, dabei aber die Falschen erwischt, da die Tierheimleitung gewechselt hatte.

 

Heute denke ich, dass es so kommen musste, denn irgendwo saß ein anderer Hund, der auf mich gewartet hatte und mich brauchte: Ispo

 

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